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Karibu Tanzania Organization
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Tanzanias Folk Development Colleges: Ein Bildungsmodell, das nur fuenf Laender teilen

Nur fuenf Nationen weltweit betreiben Folk Development Colleges: Schweden, Finnland, Daenemark, Norwegen und Tanzania. Mit 55 Standorten und ueber 21.000 Lernenden ist Tanzanias FDC-Netzwerk eines der groessten Gemeinschaftsbildungssysteme in Ostafrika.

Tanzanias Folk Development Colleges: Ein Bildungsmodell, das nur fuenf Laender teilen

Am Karumo Folk Development College im Westen Tanzanias beginnt der Morgen mit drei gleichzeitig stattfindenden Aktivitaeten. In einem Gebaeude nehmen Auszubildende Mass an Stoffen fuer Schneiderprojekte. Auf der anderen Seite des Gelaendes ueben erwachsene Lernende Lesen und Schreiben in einem Alphabetisierungskurs. Im Freiluft-Werkstattbereich lernt eine Gruppe junger Menschen Kraftfahrzeugreparatur, Motoren in verschiedenen Stadien der Zerlegung auf den Werkbaenken verteilt. Dies ist eine einzelne Einrichtung, die die Arbeit von dreien leistet.

Karumo FDC, eines von 55 Folk Development Colleges in ganz Tanzania
Karumo FDC, eines von 55 Folk Development Colleges in ganz Tanzania

Diese Kombination -- Berufsbildungszentrum, Erwachsenenbildungseinrichtung und Gemeinschaftslernzentrum auf einem Campus vereint -- ist ungewoehnlich. Tatsaechlich betreiben nur fuenf Laender weltweit dieses Modell: Schweden, Finnland, Daenemark, Norwegen und Tanzania.

Eine skandinavische Idee, verwurzelt in Ostafrika

Die Tradition der Volkshochschulen begann im Skandinavien des 19. Jahrhunderts. Das Konzept war fuer seine Zeit radikal: Bildung sollte nicht der Elite vorbehalten sein. Gemeinschaften brauchten Einrichtungen, in denen berufstaetige Menschen praktische Faehigkeiten erlernen, am buergerlichen Leben teilhaben und sich als Buerger weiterentwickeln konnten -- ohne die Huerden formaler akademischer Voraussetzungen.

Tanzania uebernahm das Modell in den 1970er Jahren und gruendete Folk Development Colleges als Teil des Engagements des Landes fuer gemeinschaftsbasierte Bildung. Die Passung war natuerlich. Tanzanias Philosophie der Ujamaa, der kollektiven Eigenstaendigkeit, stimmte eng mit dem skandinavischen Schwerpunkt auf demokratischem Lernen und Gemeinschaftsbeteiligung ueberein. FDCs wurden geschaffen, um Menschen zu erreichen, die das formale Bildungssystem nicht erreichen konnte: Erwachsene, die nie eine Schule abgeschlossen hatten, junge Menschen, die frueh abgegangen waren, Gemeinschaften, die zu abgelegen fuer staedtische Ausbildungseinrichtungen waren.

Bis 1990 war das Netzwerk gross genug geworden, um eine Koordination zu erfordern. In jenem Jahr wurde Karibu Tanzania Organization als unabhaengige, nichtstaatliche Dachorganisation fuer alle FDCs auf dem tansanischen Festland gegruendet. Von Anfang an politisch und religioese unabhaengig, bestand KTOs Auftrag darin, das FDC-Netzwerk von ausserhalb der Regierungsbuerokratie zu unterstuetzen, zu staerken und weiterzuentwickeln.

55 Standorte, 21.104 Lernende

Abschlussfeier auf einem FDC-Campus
Abschlussfeier auf einem FDC-Campus

Das heutige Ausmass ist beachtlich. Fuenfundfuenfzig Folk Development Colleges sind in jeder Region des tansanischen Festlands in Betrieb. Im Studienjahr 2024/25 betreuten sie 21.104 Lernende. Die Einschreibungen in die Berufsausbildung sind stark gestiegen, von 9.106 auf 19.113 Lernende, was die wachsende Nachfrage nach praxisorientierter Fachausbildung widerspiegelt.

Das Partnerschaftsmodell zwischen Regierung und KTO ist einzigartig. Die tansanische Regierung stellt die Infrastruktur bereit, zahlt Lehrergehaelter, uebernimmt die Verpflegung der Studierenden und regelt die Gebuehrenstrukturen. KTO liefert Programmgestaltung, Lehrplanentwicklung, Lehrerfortbildung, Monitoring und Evaluation. Es handelt sich um ein Co-Investitionsmodell, nicht um eine Abhaengigkeit.

"FDCs erfuellen drei gleichzeitige Funktionen: Berufsbildungszentren, Erwachsenenbildungseinrichtungen und Gemeindeentwicklungszentren. Kein anderer Einrichtungstyp in Tanzania deckt alle drei ab."

Jedes FDC passt sich an die wirtschaftliche Realitaet seiner Region an. Ein College in der Naehe einer landwirtschaftlichen Zone legt den Schwerpunkt auf Agribusiness und Lebensmittelverarbeitung. Eines in der Naehe von Ballungszentren konzentriert sich moeglicherweise auf IKT und Elektroinstallation. Das Modell ist in der Qualitaet standardisiert, aber inhaltlich lokal angepasst.

Was die Studierenden tatsaechlich lernen

Die Bandbreite der im FDC-Netzwerk vermittelten Faehigkeiten spiegelt die Vielfalt des tansanischen Arbeitsmarktes wider. Wer ueber einen FDC-Campus geht, findet praktische Ausbildung in mehreren Disziplinen gleichzeitig.

Metallverarbeitung und Schweissunterricht in einer FDC-Werkstatt
Metallverarbeitung und Schweissunterricht in einer FDC-Werkstatt

Schneiderei und Bekleidungsproduktion. Landwirtschaft und Gefluegelzucht. Kraftfahrzeugmechanik. Computer- und IKT-Kenntnisse. Elektroinstallation und -verdrahtung. Metallverarbeitung und Schweissen. Sanitaerinstallation. Lebensmittelverarbeitung und Unternehmertum. Die Liste variiert je nach Campus, doch der Standard ist einheitlich: Absolventinnen und Absolventen erwerben national anerkannte NACTVET-Zertifizierungen und praktische Kompetenzen, die durch reale Projekte geprueft werden.

Elektroinstallationsausbildung bereitet Studierende auf Fachberufe vor
Elektroinstallationsausbildung bereitet Studierende auf Fachberufe vor

Die Ergebnisse sind messbar. Laut KTOs Jahresbericht 2024 wechseln 44 % der FDC-Absolventinnen und -Absolventen in die Selbststaendigkeit und gruenden Unternehmen in den erlernten Berufen. Diese Zahl ist bedeutsam in einem Land, in dem formale Beschaeftigungsmoeglichkeiten begrenzt sind, insbesondere ausserhalb von Dar es Salaam.

Die schwedische Verbindung, erneuert

Die Verbindung zwischen Tanzanias FDCs und ihren skandinavischen Urspruengen ist nicht nur historisch. Sie ist aktiv.

Im Oktober 2022 starteten Grimslovs und Sorangens Folk High Schools in Schweden zusammen mit fuenf weiteren schwedischen Einrichtungen ein Kooperationsprojekt mit 14 tansanischen FDCs. Das Programm umfasst halbjaehrliche Austausche, bei denen schwedische und tansanische Paedagoginnen und Paedagogen die Einrichtungen des jeweils anderen besuchen, Lehrmethoden austauschen und gemeinsam Lehrplaene entwickeln.

Die FDCs Ilula und Katumba dienten als Koordinationspunkte auf tansanischer Seite, organisierten Lernbesuche und foerderten den interkulturellen Dialog zwischen den beiden Bildungssystemen. Die Austausche sind praktischer Natur, nicht zeremonielle Akte. Schwedische Volkshochschullehrkraefte beobachten, wie FDCs Berufsausbildung mit Gemeindeentwicklung verbinden. Tansanische Lehrkraefte studieren, wie schwedische Einrichtungen mit studentischer Selbstverwaltung, digitaler Paedagogik und Umweltbildung umgehen.

"Wenn schwedische Paedagogen unsere FDCs besuchen, erkennen sie etwas Vertrautes. Die Philosophie ist dieselbe. Der Kontext ist ein anderer, aber die Ueberzeugung, dass Bildung allen gehoert -- die durchzieht beide Systeme."

Die Zusammenarbeit spiegelt etwas Wichtiges ueber das FDC-Modell wider: Es ist kein fremder Import, den Tanzania ungeaendert uebernommen hat. Es ist eine gemeinsame Bildungsphilosophie, die zwei sehr unterschiedliche Laender parallel entwickelt, an ihre eigenen Gegebenheiten angepasst und nun durch direkten Austausch staerken.

Drei Programme, ein Netzwerk

Singida FDC, wo mehrere KTO-Programme gleichzeitig laufen
Singida FDC, wo mehrere KTO-Programme gleichzeitig laufen

KTOs drei Leitprogramme -- Elimu Haina Mwisho (Bildung fuer junge Muetter, die die Schule verlassen haben), Mpira Fursa (fussballbasierte Schulverbleibfoerderung) und Early Childhood Development (Kinderbetreuung und Erzieherausbildung) -- laufen alle ueber das FDC-Netzwerk. Die Colleges sind nicht nur Gebaeude. Sie sind die Umsetzungsinfrastruktur fuer Programme, die jaehrlich Tausende von jungen Menschen und Kindern erreichen.

EHM hat seit 2019 insgesamt 11.181 Teilnehmerinnen betreut, wobei derzeit 1.725 junge Frauen an FDCs in mehreren Regionen eingeschrieben sind. Das ECD-Programm betreibt Kindertagesstaetten an 37 FDCs, betreut 1.013 Kinder und bildet gleichzeitig professionelle Fachkraefte fuer fruehkindliche Bildung aus. Mpira Fursa fuehrt 226 Fussballmannschaften an 113 Grundschulen in 24 Regionen.

Das FDC-Netzwerk macht all dies moeglich. Ohne 55 etablierte Standorte mit staatlich finanzierter Infrastruktur und Personal waere es erforderlich, ein paralleles System von Grund auf aufzubauen, um Programme in diesem Umfang durchzufuehren.

Ausblick: 2022 bis 2027

KTOs Strategieplan 2022-2027 konzentriert sich auf die Vertiefung der Programmqualitaet, die Ausweitung der ECD-Initiative von 15 auf alle 55 FDCs und die Staerkung der Evidenzbasis durch systematisches Monitoring und Evaluation.

Die Vision ist konkret formuliert: gut informierte, soziooekonomisch aktive Buergerinnen und Buerger. Nicht "Entwicklung". Kein abstrakter Fortschritt. Buergerinnen und Buerger, die vollumfaenglich an ihren Gemeinschaften und Volkswirtschaften teilhaben koennen, weil sie eine praktische, relevante Ausbildung an einer Einrichtung erhalten haben, die genau dafuer geschaffen wurde.

FDC-Campus als Zentrum fuer Gemeinschaftsbildung
FDC-Campus als Zentrum fuer Gemeinschaftsbildung

Tanzanias Folk Development Colleges sind nach globalen Massstaeben selten. Nur vier weitere Laender unterhalten etwas Vergleichbares. Diese Seltenheit verdient Beachtung -- nicht als Kuriosiaet, sondern als Beleg dafuer, dass gemeinschaftsbasierte, non-formale Bildung im nationalen Massstab moeglich ist. Fuenfundfuenfzig Standorte. Ueber 21.000 Lernende. Sechsunddreissig Jahre KTO-Koordination. Das Modell funktioniert, und es waechst.