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Mpira FursaImpact Stories

Vom Spielfeld in die Werkstatt: Wie FDC-Frauen ihre eigenen Fussballe herstellen

An Folk Development Colleges in ganz Tanzania lernen junge Frauen, Fussballe zuzuschneiden, zu naehen und auf Qualitaet zu pruefen, die internationalen Standards entsprechen. Die von ihnen produzierten Baelle versorgen 226 Mannschaften an 113 Grundschulen, und die erworbenen Faehigkeiten oeffnen Tueren weit ueber den Platz hinaus.

Vom Spielfeld in die Werkstatt: Wie FDC-Frauen ihre eigenen Fussballe herstellen

Amina fuehrt eine gebogene Nadel durch Kunstleder und fuehrt den Faden entlang einer vorgezeichneten Naht mit der ruhigen Hand, die man nach Wochen des Uebens entwickelt. Sie naeht das letzte Paneel eines Fussballs in einer Folk-Development-College-Werkstatt. Um sie herum arbeiten fuenfzehn weitere junge Frauen an verschiedenen Stationen der Produktionslinie: Paneele nach Schablonen zuschneiden, Blasen vorbereiten, fertige Baelle auf Qualitaet pruefen. Am Ende dieser Einheit wird die Gruppe eine Charge fertiggestellt haben, die internationalen Herstellungsstandards entspricht.

Junge Frauen erlernen Fussballproduktionstechniken in einer FDC-Werkstatt
Junge Frauen erlernen Fussballproduktionstechniken in einer FDC-Werkstatt

Das sind keine Hobbybastlerinnen. Es sind Auszubildende in der Berufsausbildung, die ein Produkt herstellen, das ihre eigenen Gemeinden brauchen -- und die Oekonomie dieser Anordnung ist einzigartig in der tansanischen Jugendfoerderung.

Eine Partnerschaft, die auf Praezision baut

Das Fussballproduktionsmodul existiert dank einer Partnerschaft zwischen KTO und dem Dar es Salaam Institute of Technology (DIT) in Mwanza. DIT lieferte die technischen Spezifikationen und das Fertigungs-Know-how. KTO bettete dieses Fachwissen in einen strukturierten Lehrplan ein, der ueber das Folk-Development-College-Netzwerk vermittelt wird.

Der Lehrplan ist detailliert. Die Studierenden lernen Materialauswahl (Kunstledersorten, Blasentypen, Garnspezifikationen), Schnitttechniken, Handnaehmethoden, Blaseneinsetzen und Qualitaetskontrollprotokolle. Jeder fertige Ball muss die Pruefung bestehen. Der Standard ist nicht "gut genug fuer das Training". Der Standard ist internationale Fertigungskonformitaet.

Detaillierte Textilarbeit in einer FDC-Berufswerkstatt
Detaillierte Textilarbeit in einer FDC-Berufswerkstatt

Sechzehn Schneidereiausbilder an teilnehmenden FDCs wurden in Fussballproduktionsmethoden geschult. Sie unterrichten das Modul jetzt neben ihren regulaeren Berufsausbildungsprogrammen, was bedeutet, dass das Wissen in Institutionen verankert ist, nicht von externen Beratern abhaengt.

Die zirkulaere Logik

Was dieses Modell ungewoehnlich macht, zeigt sich hier: Mpira Fursa, KTOs Fussball- und Bildungsprogramm, operiert an 54 FDCs in 24 Regionen Tanzanias. Es fuehrt 226 Fussballmannschaften an 113 Grundschulen. Von diesen 226 Mannschaften sind 172 Maedchenmannschaften. Jaehrlich nehmen mehr als 10.000 Kinder teil.

Fussballtrainingseinheit mit jungen Spielerinnen und Spielern
Fussballtrainingseinheit mit jungen Spielerinnen und Spielern

Diese Groessenordnung erfordert Ausruestung. Konkret: Fussballe, Hunderte davon, die regelmaessig ersetzt werden muessen, da sie auf Schulplaetzen im ganzen Land verschleissen. Qualitaetsbaelle zu importieren ist teuer. Lieferketten sind unzuverlaessig. Die Zustellung an abgelegene FDCs verursacht zusaetzliche Kosten und Verzoegerungen.

Also baute KTO die Lieferkette direkt ins Programm ein.

"Die jungen Frauen, die diese Fussballe herstellen, sind in vielen Faellen dieselben Frauen, deren juengere Schwestern und Toechter in den Mannschaften spielen, die diese Baelle versorgen. Produktion und Teilnahme naehren einander."

Die Zahlen erzaehlen die Geschichte: 339 Fussballe bisher im Netzwerk verteilt, mit wachsender Produktionskapazitaet, waehrend immer mehr FDCs das Modul einfuehren. Jeder lokal produzierte Ball kostet weniger als ein importiertes Aequivalent, eliminiert Lieferverzoegerungen und generiert Einnahmen, die weitere Ausbildung und Materialien finanzieren.

Junge Spielerinnen und Spieler setzen lokal produzierte Fussballe ein
Junge Spielerinnen und Spieler setzen lokal produzierte Fussballe ein

Faehigkeiten, die sich uebertragen

Fussballproduktion ist im Kern Praezisionsfertigung. Die dabei erworbenen Kompetenzen -- massgenaues Schneiden, haltbares Handnaehen, Qualitaetspruefung fertiger Produkte, Materialbestandsverwaltung -- sind direkt uebertragbar auf Bekleidungsfertigung, Lederwarenproduktion, Polsterarbeit und industrielles Naehen.

Absolventinnen erwerben NACTVET- und NVA-Zertifizierungen, Tanzanias national anerkannte Berufsqualifikationen. Das zaehlt. Ein Zertifikat in Fussballproduktion ist auch ein Zertifikat in Fertigung. Arbeitgeber und Moeglichkeiten zur Selbststaendigkeit interessiert es nicht, ob die Auszubildende an Fussbaellen oder Handtaschen geuellt hat. Sie achten auf Praezision, Konsistenz und die Faehigkeit, einen Qualitaetsstandard einzuhalten.

Ab 2026 wird das Programm erweitert, um auch junge Maenner in das Produktionsmodul aufzunehmen, was sowohl die Arbeitskraefte als auch die Produktionskapazitaet verbreitert.

200 Besucher, zwei Minister und ein Fussball

Mpira-Fursa-Demonstrationsveranstaltung mit Gaesten und Offiziellen
Mpira-Fursa-Demonstrationsveranstaltung mit Gaesten und Offiziellen

Am Internationalen Tag der Jugend 2024 unter dem Motto "Von Klicks zu Fortschritt" fuehrten Schneidereiausbilder der FDCs Mputa und Kigamboni eine Live-Demonstration der Fussballherstellung vor. Ueber 200 Besucher verfolgten den gesamten Produktionsprozess: Paneelzuschnitt, Naehen, Blaseneinsetzen und abschliessende Qualitaetspruefung.

Die Demonstration erregte Aufmerksamkeit auf hoechster Ebene. Der ehrenw. Ridhiwani Kikwete, Staatsminister, lobte die Initiative als Modell fuer die berufliche Qualifizierung junger Menschen. Botschafter Didier Chassot der Schweiz wuerdigte die Integration von Berufsausbildung und Gemeinschaftswirkung. Ein Strategiepapier wurde Mia Mjengwa Bergdahl, KTOs Programmleiterin, vom Minister ueberreicht.

Fussballspielszene bei einer Mpira-Fursa-Veranstaltung
Fussballspielszene bei einer Mpira-Fursa-Veranstaltung

Die Veranstaltung machte etwas Wichtiges sichtbar: Dies ist kein kleines Pilotprojekt. Es ist ein System, das produziert, versorgt, ausbildet und zertifiziert -- alles innerhalb desselben institutionellen Rahmens.

Der volle Kreislauf

Tritt man zurueck, wird die Zirkularitaet deutlich.

Eine junge Frau schreibt sich im Programm Elimu Haina Mwisho (EHM) an einem FDC ein, weil sie die Schule frueh verlassen hat. Ueber EHM tritt sie in das Fussballproduktionsmodul ein. Sie lernt, Qualitaetsfussballe herzustellen. Diese Fussballe werden an Mpira-Fursa-Mannschaften an 113 Grundschulen verteilt. In diesen Mannschaften bleiben Maedchen in der Schule, weil regelmaessige Sportteilnahme die Anwesenheit und den Schulverbleib verbessert. Weniger Maedchen brechen ab. Weniger Maedchen brauchen EHM.

Gemeinschaftsfussball bringt Gemeinden durch Sport zusammen
Gemeinschaftsfussball bringt Gemeinden durch Sport zusammen

Das Programm, das auffaengt, produziert die Ausruestung, die vorbeugt. Das ist kein Slogan. Es ist das operative Design. Jedes Element -- EHM-Einschreibung, Fertigungsausbildung, Mpira-Fursa-Teilnahme, Schulverbleib -- ist mit dem naechsten in einem Kreislauf verbunden, der sich mit jeder Umdrehung verstaerkt.

In der Werkstatt stellt Amina ihren Fussball fertig und reicht ihn an eine Qualitaetsprueferin weiter. Er wird aufgepumpt, gepruellt, inspiziert und freigegeben. Dann wird er an einen Grundschulplatz irgendwo in einer der 24 teilnehmenden Regionen Tanzanias reisen. Ein Maedchen wird ihn treten. Und der Kreislauf wird weitergehen.